Schwäbische Wertarbeit für Krönungs-Parade in Südostasien





Der klassische Mercedes-Benz 600 hat auch heute, 34 Jahre nach Produktionsende, nichts von seiner Faszination eingebüßt – und wird in einigen Staaten noch immer für Repräsentationszwecke genutzt. Jetzt ließ sich Sultan Ibrahim von Johor in Südostasien bei seiner Krönungsparade im Mercedes-Benz 600 Landaulet chauffieren. Die Staatskarosse wurde zuvor bei Kienle Automobiltechnik in zweijähriger schwäbischer Wertarbeit zum Auslieferungszustand restauriert.

Zwei von Kienle Automobiltechnik mit großer Perfektion restaurierte Mercedes-Benz 600 Landaulets waren die automobilen Stars der großen Parade zur Krönungszeremonie des Sultans Sultan Ibrahim Ismail von Johor und seiner Gattin Permaisuri Raja Zarith Sofia am Montag, den 23. März 2015, in Johor Bahru, der Hauptstadt von Johor. Sultan Ibrahim Ibni Almarhum Sultan Iskandar, der die konstitutionelle Monarchie des malaysischen Bundestaats Johor seit Ende Januar 2010 führt, ließ sich im luxuriösesten Wagen des über 50 Fahrzeuge zählenden Konvois nach der Krönungs-Zeremonie im Istana Besar (Grand Palais) bei der großen Parade durch Johr Bahru chauffieren.

Bei seinem Auto handelt es sich um ein Fahrzeug aus der umfangreichen Klassiker-Sammlung des Sultans. Dieser Mercedes-Benz 600 Landaulet wurde in zweijähriger Arbeit im schwäbischen Heimerdingen von Kienle Automobiltechnik wieder einsatzfähig gemacht, ebenso wie das zweite Landaulet, das dem königlichen Gefährt folgte.

Sultan Ibrahim Ismail von Johor ist das fünfte zum König gekrönte Staatsoberhaupt des modernen Johor. Die letzte Sultans-Krönung in Johor fand 55 Jahre zuvor statt. Die offiziellen Feierlichkeiten begannen am 16. März und werden noch drei Monate in dem rund 3,3 Millionen Einwohner zählenden südlichsten Bundesstaat von Malyasia andauern mit der Krönungs-Zeremonie als Höhepunkt.




Die Restaurierung der beiden 600er war einer der Großaufträge des Sultans von Johor für Kienle Automobiltechnik , nachdem Kienle bereits einige weitere Mercedes-Benz aus der königlichen Klassiker-Sammlung restauriert hatte. Rundum-Betreuung gehört bei Kienle zum Programm. So reisten  Kienle-600er-Spezialisten vor der Krönungszeremonie nach Johor, um die 600er fachgerecht zu betreuen und nach der Fahrt zu warten, bevor sie wieder in die Sammlung integriert wurden.

Die beiden Restaurierungsobjekte waren im Februar 2012 per Luftfracht in Heimerdingen eingetroffen und wurden auftragsgemäß bis zur letzten Schraube demontiert, untersucht und nach Überarbeitung oder Erneuerung verschlissener oder defekter Teile sorgfältig wieder zusammengebaut. Nach ausgiebigen Probe- und Testfahrten gingen die Luxuswagen Anfang Februar per Flugzeug nach Johor Bahru zurück.

„Nach rund 6.000 Arbeitsstunden pro Wagen befinden sie sich bis auf die Lackfarbe wieder im Originalzustand“, berichtet Klaus Kienle, Chef des Heimerdinger Familienunternehmens, in dem sich 85 hochqualifizierte Spezialisten um die Restaurierung von hochwertigen Mercedes-Benz Klassikern kümmern.

Die sechs Mann starke 600er-Spezialabteilung bei Kienle Automobiltechnik hatte alle Hände voll zu tun, die beiden Raritäten in diesen perfekten Zustand zu versetzen: Das feucht-heiße Klima in Johor hatte den Luxuswagen arg zugesetzt und für unerwartet starken Rostbefall gesorgt.

Die beiden Repräsentationsautomobile mit dem aufklappbaren Stoffdach über dem Wagenfond waren zwar äußerlich betrachtet in gutem Zustand, doch steckten sie voller Überraschungen, die selbst erfahrene und hartgesottene Spezialisten in Erstaunen versetzten. Marcel Lavicka, Leiter des Kienle 600er-Teams: „Als wir die Mercedes-Benz 600 Landaulets zur Restaurierung demontierten und entlackten, entdeckten wir extrem starken Rostbefall an Stellen, an denen wir bei keinem von uns zuvor restauriertem Exemplar Korrosion feststellen konnten.“ Zudem wies die Mechanik teilweise starken Verschleiß auf, und die hochkomplizierte Hydraulik funktionierte nicht mehr.



Sultan Ibrahim Ismail reiste selbst nach Heimerdingen, um sich ein Bild von den Restaurierungsarbeiten zu machen. Mit eigenen Augen konnte er sehen, dass sowohl die unteren A-Säulen wie auch der Kofferraumboden und die Fußräume mit allen Stützblechen seiner 600 Landaulets so stark vom Rost zerfressen waren, dass sie durch im Kienle Karosseriebau in Handarbeit nachgefertigte Reparaturbleche ersetzt werden mussten.

Kienle Automobiltechnik hat sich mit in fast 30 Jahren durchgeführten Restaurierungen von Mercedes-Benz 600-Exemplaren eine äußerst gute Reputation auch in arabischen Ländern erarbeitet.  – Dazu gehören unter anderem auch Exemplare aus dem Fuhrpark des Königshauses von Marokko, des Emirates Dubai und des Königshauses von Katar. Auch Kunden aus Monaco, Italien, England, Finnland, Russland, den USA und in den letzten Jahren verstärkt aus China vertrauen dem Heimerdinger Unternehmen ihre automobilen Schätze zur Wartung, Instandsetzung und Restaurierung an.

Auch Sultan Ibrahim Ismail zeigte sich bei der Ankunft der beiden 600er Landaulets in Johor Bahru und nach der Parade anlässlich der Krönungszeremonie begeistert. Als besonderen Vertrauensbeweis hat er dem schwäbischen Restaurierungsbetrieb weitere vier seiner Klassiker zur Totalrestaurierung anvertraut: Einen Mercedes-Benz 300 SL Flügeltürer, einen 300 SL Roadster, ein 220 SE Ponton Cabriolet und einen 280 SL Pagode. Auch sie werden Heimerdingen in Originalzustand verlassen.

Kienle Automobiltechnik, Max-Planck-Straße 4, 71254 Heimerdingen, www.kienle.com